Angst – Ein Begleiter im Schatten der Freude

Angst ist ein solch großes Wort und manchmal auch schlecht zu definieren. Seitdem ich ein eigenes Kind habe, was mit dem gefährlichen Sport Reiten in Kontakt gekommen ist, habe ich eine neue Ebene von Angst kennen gelernt. Wie schon in meinem Artikel „reitende Kugelzeit“ erwähnte, habe ich mich so unheimlich darauf gefreut mit meinem Kind dem weltschönsten „Hobby“ nachzugehen. Als dann klein Bella das erste Mal am Pferd stand war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich will. Nie war mir vorher aufgefallen wie unglaublich KLEIN so ein Kind ist und wie unglaublich GROß dagegen unsere Pferde. Ein Kind was mit Pferden groß wird, kennt keine Angst vor dem plüschigen Weggefährten und nähert sich scheinbar ohne Sinn und Verstand dem unberechenbaren Tier. Zu dieser Zeit hatten wir kein Pony und ich habe damals Stein und Bein geschworen, dass ein Pony nicht nötig sei. Tja, als Bella 1 ½ Jahre alt war, zog unser erstes Welsh-B Pony bei uns ein.

Die Größenrelation passte viel besser, allerdings war unsere Coco damals auch noch sehr jung. Die beiden sollten zusammen groß werden. Dies klappte insoweit gut, dass unser Töchterlein nur immer mal sporadisch Interesse an unseren Pferden und ihrem Pony hatte.

Für mich als Mutter traurig, aber das ist ein anderes Thema welches ich in einem gesonderten Beitrag einmal beleuchten werde.

Als Isabella 4 ½ Jahre alt war, fiel sie das erste Mal vom Pony. Sie ritt unsere zweite Welsh-B Stute Holly, die zu dieser Zeit fünf Jahre alt war und eigentlich ein ruhiges Gemüt hatte.

Aus was für Gründen auch immer schoss sie los und katapultierte die damals noch sehr kleine Bella im hohen Bogen durch den Zaun nach draußen. Puhh, das war ein solcher Schreckmoment für alle Beteiligten, dass es uns noch länger verfolgte. Allerdings hat dieser Moment mir auch gezeigt, wie flexibel Kinder doch sind. Ich war mir im ersten Moment wirklich sicher, dass sie sich sonst was für Knochen gebrochen haben muss. Doch außer wackligen Knien war alles in Ordnung.

Tja, und da habe ich dann auch gemerkt was für eine Schule ich genossen hatte, nach einem großen Tröster und Pusten damit das „Aua“ wegflog ging es wieder rauf auf die plötzlich wieder ruhige Holly. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dies absolut wichtig ist um die Vertrauensbasis nicht dauerhaft zu gefährden. Logischerweise nur, wenn dem Gestürzten nichts schlimmes passiert ist. Damals sind die beiden dann noch ein paar Runden an der Longe gedreht und Bella ist dann doch wieder versöhnt von Holly abgestiegen.

Stürzen gehört zum Reitsport dazu und wenn man fällt steigt man wieder auf. Mittlerweile ist Isabella schon viele Male vom Pferd gefallen. Mal sanfter und auch mal härter. Leichte Stürze von ihrem „Professor“ Rody und unsanftere von unserer Shettystute Gaxy.

Immer noch lässt es mich die Luft anhalten, den Puls hochschnellen und gerade beim Springen habe ich häufig das Bedürfnis mich umdrehen zu wollen nur um nicht hinsehen zu müssen. Isabella selber sagt, dass sie ein Landwirtsmädel ist und sie das aushält. Man sieht, dass die Angst eher in mir liegt als in ihr. Für sie gehört das Fallen dazu, aber ihr ist auch klar, dass sie nicht leichtsinnig werden sollte.

In diesem Sinne, gebt euern Kinder die Gelegenheit ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln und traut ihnen etwas zu. Angst ist ein wichtiger Baustein in unserem Leben, sollte uns aber nicht hemmen. Leider sieht man häufig, dass Eltern am Reitplatzrand stehen und ihren Kindern nonstop Kommandos zurufen. Oder man sieht schon sehr gut reitende Kinder an der Longe reiten, weil Mama und/oder Papa es nicht ertragen können, dass ihr Kind alleine reitet. Was aber ein noch recht neues Phänomen ist, sind Reitlehrer die sich Sorgen darum machen, dass im Unterricht auch mal ein Kind runterfällt. Schon mehrmals habe ich erlebt, dass Reitlehrer von Eltern wirklich übelst zusammengestaucht wurden, weil das Kind vom Pony/Pferd gefallen ist. Das sind Momente die mich sprachlos zurücklassen. Angst um das Kind hin oder her und ja Reiten ist ein gefährlicher Sport, runterfallen sollte allerdings jeder mal in seinem Reiterleben.

Umso früher desto besser, wer wirklich reiten möchte und leidenschaft für dieses „Hobby“ hat der lässt sich nicht zu sehr beeindrucken und steigt wieder auf. In älteren Jahren ist es viel schwerer wieder unbedarft aufzusteigen. Ein gesunder Respekt ist wichtig beim Reiten und diesen kann man gut lernen, wenn man auch einmal stürzt und sich wieder aufrappelt.

Das war jetzt ein großer Schleif und ich hoffe ihr konntet meinen Gedanken zum Thema Angst nachvollziehen.

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