Schwanger aufs Pferd?

Diese Frage wird seit Jahren heiß diskutiert und vermutlich gibt es nicht DIE Antwort darauf. Ja, es ist definitiv ein Gefahrenpotential vorhanden und auch das bravste Pferd kann blöd stolpern oder sich erschrecken.

Für mich persönlich hat sich die Frage nie gestellt, es war eine Selbstverständlichkeit aufs Pferd zu steigen und zu reiten. Seit meinem sechsten Lebensjahr gehört die Reiterei zu meinem Leben und somit konnte ich es mir auch gar nicht vorstellen die komplette Schwangerschaft darauf zu verzichten. Zudem war Isabella ein ziemlich unruhiger Mitbewohner, ständig wurde ich getreten und hab so manches mal die Luft angehalten, weil ich mal wieder einen Tritt in die Rippe kassiert hatte. Während ich gemütlich mit meinem Pferd durch die Gegend gezuckelt bin, war absolute Ruhe in mir. Vermutlich hat sie diese schwankende Bewegung so sehr genossen, dass sie selig eingeschlummert ist.  

Mein Pferd „Lonely“ war damals schon über 15 Jahre alt und ein absolut alter Hase in allen Bereichen. In seiner Sturm und Drang Phase hätte ich wohl anders gehandelt, aber mit dieser Voraussetzung habe ich nie ein mulmiges Bauchgefühl gehabt. Ganz im Gegenteil, hat er sich im Laufe der fortschreitenden Schwangerschaft immer mehr zum absoluten Schatz entwickelt. Irgendwann hatte ich sogar das Gefühl, dass er seine Schritte immer mehr mit Bedacht wählte und bei zu großer Unebenheit in Schritt durchparierte, um erst wieder bei festem Boden anzutraben. Irgendwann Ende des achten Monats hat er es dann absolut abgelehnt schneller als langsamen Trab zu laufen. Mein konsequenter Reiterkopf hat anfangs noch mehrmals versucht ihn trotzdem anzutreiben, doch das große Vertrauen in meinen langjährigen Partner hat mich dann an sein Urteil glauben lassen. Ab diesem Zeitpunkt gab es dann also nur noch ruhige Schrittausritte, die mir insgesamt damals sehr gut taten. Meine Rückenschmerzen verringerten sich, meine Beine schwollen wieder ab und die Muskulatur im Becken lockerte sich. Dazu gab es ganz kostenlose Entspannung für Geist und Seele, Gedanken konnten geordnet werden und tiefes Ausatmen war an der Reihe.

Zu dieser Zeit hatten wir die Pferde schon bei uns Zuhause stehen und somit mussten sie auch versorgt werden. Egal, wie beschwerlich mein Körper wurde, raus bei Wind und Wetter musste für die Pferde trotzdem sein. Noch heute bekomme ich ungläubige Blicke, wenn ich erzähle, dass ich am Freitag noch die Weide der Pferde umgestellt habe und Sonntagmittag war unser kleines Wunder auf der Welt.

Ich glaub ich bin während der gesamten Zeit nur die letzten 3 Wochen vor der Geburt nicht mehr geritten. Dies hatte aber eher meine selbstgefühlte Unbeweglichkeit als Auslöser. Irgendwann saß ich auf Lonely und hatte das Gefühl, wie ein zu klein geratenes Walross seinen Rücken zu malträtieren. Leider gibt es von dieser Zeit keine Fotos, damals hab ich mich nicht wohl in meiner Haut gefühlt und es rigoros abgelehnt fotografiert zu werden. Schade, aber leider nicht zu ändern.

Reitern wird eine feste Beckenmuskulatur nachgesagt, was ja im Anbetracht der Pferdebewegung und unserer Position auf dem Pferd auch durchaus logisch erscheint.

Meine Frauenärztin hat mich beim Termin zum feststellen der Schwangerschaft mit einem mitleidigen Blick gesegnet und darauf hingewiesen, dass ich Beckenbodentraining machen solle, damit ich lerne meine Muskeln aktiv zu entspannen. Zum Glück hat meine Hebamme gleich gegengesteuert und darauf hingewiesen, dass wir Reiter zwar sehr fest im Beckenboden wären, aber auch viel elastischer☺

Schlussendlich musste unsere Tochter  dann kurzfristig mit einem Kaiserschnitt geholt werden, daher war die ganze Aufregung umsonst …

 

Ich kann nur jeder werdenden Mutter empfehlen auf ihr Bauchgefühl zu hören und zu schauen, was für ein Pferd sie im Stall stehen hat. In der Regel sagt einem der eigenen Instinkt schon, was richtig und was falsch ist..

Unter den richtigen Umständen ist das Reiten, während der Schwangerschaft, aber auf jeden Fall eine Bereicherung in vielerlei Hinsicht.

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