Tja, dass ist wohl die Horrorvorstellung einer jeder reitenden Mutter. Ab dem Zeitpunkt, als die Frauenärztin mit dem Erwähnen des weiblichen Geschlechts einen wahren Begeisterungssturm auslöste, begann die Planung der reiterlichen Karriere des kleinen Reiternachwuchses. Schon die ersten Strampler wurden rein nach Pferdegeschmack ausgewählt und auch die Tapete, Bettwäsche und Zimmereinrichtung entsprang ganz dem Pferdemotto.

Gut, ich gebe zu, die Situation habe ich jetzt mal ganz bewusst überspitzt dargestellt, allerdings so ganz weit hergeholt ist sie nicht.

Jede Mama träumt wohl irgendwann davon, dass ihr kleines Mädchen ein wenig nach ihr kommt und so mit dem Pferdegen angesteckt wird. Es ist doch auch eine tolle Vorstellung mit dem eigenen Kind ein Hobby oder eher eine Leidenschaft zu teilen und so viel Zeit gemeinsam zu verbringen.

Ich selber habe es mir genauso vorgestellt. Meine kleine Tochter lernt gleich von Anfang an unsere Vierhufer kennen, entwickelt genau diese Leidenschaft, die ich auch habe und mein hormongesteuertes Unterbewusstsein hat mir tolle Bilder von uns beiden beim Ausreiten vorgegaukelt.

Im Endeffekt ist alles doch anders gekommen. Isabella hat Pferde definitiv vom ersten Augenblick an geliebt. Mit ein paar Tagen hat sie das erste mal auf meinem Lonely gelegen, hat die Augen geschlossen und ihre kleinen Hände haben sich ins Fell gewühlt. Genau, wie in der Schwangerschaft, war sie einfach ruhig und zufrieden. Allerdings war sie ein Baby, dass man nicht so einfach in die Karre legen konnte und dann hat sie nach einer Mahlzeit friedlich geschlummert. Nein, eher war das Gegenteil der Fall. Ich würde sagen insgesamt hat sie während ihrer ganzen Baby/Keinkindzeit höchstens 15 Minuten in einem Kinderwagen gelegen und dort extrem geschrien. So hatte ich mir das nicht ausgemalt….

In der Not wird man erfinderisch, also musste eine Lösung her, damit ich mich überhaupt noch vom Fleck bewegen konnte. Ein Tragetuch war in der Babyzeit die Lösung, denn dadurch konnte Bella immer und überall mit dabei sein und die schaukelnden Bewegungen haben sie beruhigt. So habe ich mit ihr Wiesen umgestellt, Pferde auf die Weide gebracht, Pferde geputzt, mit den Hunden rausgegangen und allgemein alle Dinge gemacht die anstanden. Tja, reiten ging dann leider nicht so einfach mit Tragetuch. Somit habe ich lange Zeit nicht auf dem Pferd gesessen und dies war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Durch unsere Haltungsform im artgerechten Offenstall und täglichem Weidegang hat es unsere Pferde tatsächlich nicht groß belastet. Auch beim ersten Mal reiten nach ca. 6 Monaten musste ich keine Sorge haben, dass Lonely durchgeht oder ihn sogar ablongieren. Immer wieder lag und irgendwann saß Isabella auch auf einem Pferd, aber die große Geduld hatte sie nicht dabei. Rauf, eine halbe Runde führen und dann kam das große gezappel um wieder runter zu kommen. So ging das bestimmt 3 ½ Jahre lang und wenn man dann im Internet andere Kinder sieht  die geduldig und vor freude strahlend auf ihren Ponys sitzen bekommt man tatsächlich zwischendurch auch mal schlechte Laune und ist enttäuscht.

Den unleidlichen Höhepunkt erreichten wir dann tatsächlich mit ca. 5 Jahren, sie war einfach nicht mehr aufs Pferd zu bekommen. Rumrennen und vor sich hinspielen war einfach viel toller. Jede Regel die es nunmal im Umgang mit dem Lebewesen Pferd gibt, war eine zuviel und es wurde mit extremen unwillen reagiert. Es war eine wirklich frustige Zeit und rückblickend habe ich trotz meinem Berufs als Erzieherin so manchen blöden Fehler gemacht. Daran merkt man wohl, dass man auch irgendwie immer noch ein Mensch ist und auch mal gefühlsbetont reagiert. Mittlerweile ärgere ich mich über jedes draufsetzen gegen ihren Willen, jedes meckern darüber das sie nicht möchte und jeden abwertenden Gesichtsausdruck meinerseits.

Ich denke, dass Kinder die mit dieser Lebensumwelt groß werden auch einmal rebellieren müssen. Realistisch betrachtet gab und gibt es einfach viele Momente wo sie durch die Pferde zurückstecken musste und muss. Natürlich gehen bei uns die Tiere und deren Versorgung vor. Egal, ob es draußen 35 Grad- oder ob es -10 Grad sind. Automatisch verbindet das kindliche Gehirn, das Tier Pferd mit einem Gefühl von zurückstecken und das prägt sich erstmal ein, bis die Kinder so reif sind, dass sie verstehen, was man für eine große Verantwortung hat.

Mittlerweile ist mit 7 Jahren, dass Pferdevirus total ausgebrochen und außer ein paar Ausnahmen sitzt sie jeden Tag auf dem Pferd, macht Bodenarbeit oder putzt einfach mal alle Pferde/Ponys durch. Auch das Thema Stallarbeit hat sich so gewendet, dass sie gerne mithilft und sich bewusst ist, dass erst die Pferde ihr Abendbrot bekommen und dann wir.

Mein größter Schwachpunkt ist es Geduld zu haben…. Meine Tochter hat mich auf eine harte Probe gestellt und mich manches Mal zweifeln lassen. Immer wieder mussten wir Umwege gehen, uns neu sortieren und oft hat es gerappelt.

Was wir aber nie verloren haben, ist die gemeinsame Liebe zum Pferd.

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